Weitermachen oder „back to the roots“? || Rückblick der digitalen Mitschriften im Schuljahr Q2

Das Experiment läuft nun seit knapp einem halben Jahr, bzw. seit fast einem ganzen Schulhalbjahr (der Q2-Phase; vgl. 11. Klasse). Die Fragen, die man sich nun stellt, sind zum einen „Wie ist es denn gelaufen? Gab es Schwierigkeiten? Erfolge? Wie gingen die Lehrer letzten Endes damit um?“ und zum anderen „Wie wird es weitergehen? Wird sich etwas verändern? Werde ich das Experiment weiterführen?“.

„Denkanstoß für manche Lehrer“
Ich bin der Meinung, dass das Experiment in so einigen Fächern Lehrer dazu bewegen wird, mehr mit solchen digitalen Medien zu arbeiten. Schon meine Physiklehrerin hatte vorgeschlagen, mir die Arbeitsblätter direkt als PDF zukommen zu lassen, damit ich sie erst gar nicht „abscannen“ müsste. Sie ist jetzt leider nicht mehr auf der Schule, aber auch bei anderen Lehrern bemerke ich diesen „großzügigen Wandel“: Meine Geschichtslehrerin z.B. sprach mit mir über eine Arbeitsblätterverteilung online (unter Umständen auf Facebook), nach den Ferien soll angeblich eine Debatte um „Moodle“ im Lehrerkollegium geführt werden.

„Wie lief die Zeit während des Experimentes?“
Nun, ich muss gestehen, dass der Anfang gar nicht so einfach war, wie gedacht. Aller Anfang ist schwer, hier war besonders die Gestaltung der Hefte und die langfristige Nutzung zu beachten. Ich habe mir sehr viele Gedanken dazu gemacht, in welcher Form und in welchem Programm ich meine Mitschriften verfasse, um dauerhaft einen Nutzen daraus zu ziehen und nicht nach 2 Monaten zu bemerken, dass alles „Käse“ war. Das Programm musste also gut bedacht ausgewählt werden. Ich habe unzählige Notizen-Apps ausprobiert, von irgendwelchen NoName-Apps bis hin zu bekannten, wie „EverNote“, „OneNote“ und vielen anderen. Doch ich konnte nie behaupten, dass ich mit dem Programm wirklich zufrieden war. So fehlte mir immer die freihandliche Skizze/Mitschrift und selbst, wenn diese gegeben war, so war entweder das Programm absoluter Mist, oder die Bedienung mit dem Stift war sehr unzufriedenstellend.

Ich brauchte also einen Stift und nach dem Kauf des neuen Tablets (Samsung Galaxy Note 10.1) entdeckte ich das vorinstallierte Samsung-Programm „S Note“. Es war genau das, was ich gesucht habe! Die Struktur ist variabel, ich kann Ordner und Notizbücher beliebig anlegen. Die Nutzung mit dem Stift war und ist unglaublich. Es stellte sich allerdings auch hier – wie bei allen anderen Programmen – die Frage nach dem Backup. Sicherlich kann ich auch meinen Ordner irgendwo verlieren, oder er wird mir geklaut. Die Wahrscheinlichkeit, dass mir ein Ordner mit Schulmaterialien entwendet wird, ist sehr gering; gegenteilig die Wahrscheinlichkeit bei einem Tablet. Außerdem kann ein solches Gerät mal kaputt gehen, die Daten wären einfach weg und die ganze Arbeit wäre umsonst. Das kann man mit Backups verhindern und darauf habe ich auch sehr Wert gelegt! „S Note“ synchronisiert wahlweise mit „Google Text & Tabellen“ oder „EverNote“. Wenn mein Tablet nun mal kaputt geht, oder geklaut wird, so habe ich immernoch alle Daten im Online-Speicher und kann sie im optimalen Fall auf das nächste Gerät spielen – ohne jeglichen Datenverlust.

„Umstände oder nicht?“
Manchmal denke ich mir bei meinen Aufzeichnungen: „Ginge das auf Papier nicht viel einfacher?“. Tatsächlich sind manche Dinge – besonders kurze Notizen – einfacher auf Papier zu schreiben, da man nicht erst das richtige Notizbuch raussuchen muss, etc. Trotzdem ist die Zeitersparnis bei einer kurzen, geschmierten Notiz auf Papier nicht wirklich gigantisch, den Nutzen der digitalen Mitschrift macht diesen Punkt wieder wett. Ich bin ganz ehrlich: Ab und zu schreibe ich auch noch Dinge auf Papier (:P), das soll sich auch nicht ändern, denn auch das ist immernoch eine schöne Sache.

„Hat man viele Vorteile, wenn man digital mitschreibt?“
Kurze Antwort: Es hängt zwar von der individuellen Nutzung ab, aber ja, viele Vorteile sind gegeben! Der „Ordner“ ist nicht schwer, die Hefte sind gut zu gestalten, MindMaps, Graphen; für all diese Dinge gibt es Möglichkeiten in Form von Apps. Ich kann zu jeder Zeit und überall meine Hausaufgaben machen, kann mir die Zeit viel besser einteilen und bin allzeit bereit. Besonders die Multitasking-Funktion ist bei Recherchen, etc. äußerst hilfreich.

„Ist das etwa von der Person abhängig?“
Natürlich! – wie bereits erwähnt hängt die Durchführung sehr von der Person selbst, deren Interessen und mehr ab. Mir fiel es nun doch nicht allzu schwer, mich mehr oder weniger vom Papier zu trennen (wobei es natürlich anfangs gewöhnungsbedürftig war). Andere Menschen lieben Papier viel zu sehr, kommen nicht mit Geräten, wie Tablets, klar, haben einfach „keine Nerven“ dazu oder könnten oder wollten ein solches Experiment erfahrungsgemäß nicht durchführen (Vgl. Wie viele Schüler haben eine unvollständige und geschmierte Heftführung? Einige greifen sogar zum „All-in-One-Block“). Doch ich kann mir trotzdem vorstellen, dass eine große Menge gut und sinnvoll mit einem Tablet arbeiten können und auch wollen. Der springende Punkt bei der „Heftnutzung“ ist der Stift zusammen mit dem Schreibprogramm. Ohne diese Tools ist ein wirklich sinnvolles Arbeiten nicht ausgeschlosen, aber nur stark eingeschränkt möglich.

„Der Weg „back to the roots“, gibt es ein Zurück?“
Den Weg zurück gibt es in vielen Situationen nicht mehr, doch bei mir sieht das anders aus: Jederzeit könnte ich mit dem Experiment aufhören und meinen Weg (beinahe hätte ich gesagt „wie ein normaler Schüler“) auf Papier weiterführen. Die bereits auf dem Tablet geführten Hefte könnte ich mir als PDF-Datei auf meinen Rechner ziehen und ausdrucken, damit diese zu späterer Zeit zur Verfügung stehen. Aber wie würde es Gisela alias Hape Kerkeling nun ausdrücken: „Nein ich möchte nicht!“.

„Digitale Vorsätze fürs neue Schulhalbjahr? Pläne?“
In der Tat habe ich Vorsätze im Sinne der Arbeitsblätter. Bisher habe ich die meisten ausgeteilten Arbeitsblätter noch abgeheftet, in der Zukunft möchte ich aber nicht ein einziges Blatt Papier mehr mitschleppen müssen. Alle Arbeitsblätter sollen abfotografiert, bzw.“eingescannt“ werden. Sogar setze ich noch einen drauf: Ich möchte versuchen, eine Hand voll Lehrern davon zu überzeugen, mir ihre Arbeitsblätter in der Stunde oder in der Pause zuvor per Email (o.Ä.) zukommen zu lassen, um die Scannerei zu vermeiden. Das wird sicher keine leichte Aufgabe, aber der Versuch kostet nichts, umbringen wird es mich voraussichtlich auch nicht. Gespannt bin ich nun, inwiefern dieses Ziel erreicht werden kann, aber natürlich werde ich hier weiterhin berichten.

Kommentare sind immer gerne gesehen, auch Teilen und Weiterempfehlen darf Mann und Frau gerne 🙂
Liebe Grüße, bis nach den Ferien!
dMUEL – Dominik

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9 Gedanken zu “Weitermachen oder „back to the roots“? || Rückblick der digitalen Mitschriften im Schuljahr Q2

  1. Moin Dominik,

    spannendes Experiment und viel Glück weiterhin. Das es ohne Papier geht kann ich nur bestätigen. Ich hab gestern dazu gebloggt http://www.onlinebynature.com/?p=897 und bei unseren Online-Studenten (natürlich eine sehr digitale Zielgruppe) haben wir inzwischen nur noch 21% Papiernutzer. Das finde selbst ich extrem wenig. Wir haben übrigens noch nie Studienbriefe (Papier) verteilt, sondern machen seit 12 Jahren Fernlehre mit rein digitalem Material und wir wurden noch nie nach Papier gefragt. Das wird als gegeben hingenommen, aber ein Change einer bestehenden Struktur ist viel schwerer. Das habe ich leidvoll beim Wechsel vom Chat zur Webkonferenz gemerkt.

    Noch viel Erfolg beim Kampf der analogen Schulstrukturen
    Gruß aus dem Norden Andreas

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    1. Hallo Andreas,
      Ja, der Kampf ist noch lange nicht vorbei, muss dann ab nächstem Jahr auch an der FH weitergeführt werden. Papier hat sich bewährt, doch es geht teilweise tatsächlich einfacher. Eine Umstellung kann sehr einfach sein, aber auch, wie du schon sagtest, sehr leidvoll.

      Vielen Dank für deinen Kommentar,
      Liebe Grüße Dominik

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    1. Je nach Nutzung ist es wirklich sehr sehr sinnvoll, aber man muss sich kundig machen, um das Tablet zu finden, das zu einem passt. Es ist ein bisschen, wie der Kauf eines Haustieres.

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  2. Schöner Bericht. Das geforderte „Umdenken“ ist bei mir seit Pfingsten erfolgt. In den nächsten Tagen schau ich auch, dass ich einen ersten Statusbericht online stelle. Nach langem Hin und Her bin ich mit meinen aktuellen App-Lösungen eigentlich auch ganz zufrieden.

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