Über das digitale Schulbuch und dessen Anschaffung oder auch: „Was ist los mit euch? Bin ich Krösus?“

Es ist nun wirklich schon eine ganze Weile her, als ich mit dem ganzen „Tablet-Gedöns“ angefangen habe. Ja, tatsächlich machte ich die ersten Erfahrungen vor weit über einem Jahr, das ist (schulisch betrachtet) eine lange Zeit. Viele Dinge waren irgendwann in den Alltag integriert, andere, neue Dinge kamen nach und nach dazu. Es war letztendlich kein von 0 auf 100, sondern ein langsames Rantasten, um zu sehen, wie die Dinge verlaufen oder sich ergeben.

Nachdem die Möglichkeiten immer aktueller und besser wurden, stehe ich momentan an einem Punkt, an dem sich nichts mehr verändert. Die Präsentationsmethode über das Tablet war vorerst das letzte Gadget, das es zu erforschen galt. Dachte ich. Doch wieder einmal wurde ich eines Besseren belehrt und ich begann mich über Schulbücher der digitalen Variante zu erkundigen.

Eigentlich bin ich kein Fan von digitalen Schulbüchern. Das hat mehrere Gründe: Einerseits ist ein Buch, also ein wirklich echtes Buch, etwas besonderes, das in meiner Vorstellung und besonders bei langen Texten nicht durch eine Datei ersetzt werden kann. Ich merke das jedes Mal wieder bei den E-Books (zuletzt: „Das Parfum“ von Patrick Süskind), dass ich nach einem ganz langen Text total angestrengt bin, da das Licht des Tablets einen anderen Einfluss auf mich nimmt, als eine Seite des Buches. Trotzdem ist diese Nutzung nicht gleichzusetzen mit der eines Schulbuches. Die Arbeitsweise ist eine ganz andere, doch konnte ich bisher keine Erfahrung darin sammeln.

Den Kindle lasse ich da bewusst außen vor, denn ich habe keinen Kindle und da es um Schulbücher geht, wird es diese wohl auch eher Plattformunabhängig geben. Sowohl Android, als auch iOS, Windows und Mac, alle Betriebssysteme sollten mit den Schulbüchern kompatibel sein. Und tatsächlich wurde ich fündig:

"Digitale Schulbücher", sowohl die Idee, als auch die Umsetzung, scheinen sehr ansprechend zu sein. Die App wirkt professionell und einfach. Es fehlen nur noch die Bücher!
„Digitale Schulbücher“, sowohl die Idee, als auch die Umsetzung, scheinen sehr ansprechend zu sein. Die App wirkt professionell und einfach. Es fehlen nur noch die Bücher!

Digitale Schulbücher„, so simpel und aussagekräftig lautet der Titel des Projektes der Bildungsverlage. Ein kurzes Video erläutert verständlich die Idee und die Umsetzung des Projektes: Hier geht es zum Video, es ist kurz und prägnant, daher lohnt es sich, einen Blick hineinzuwerfen!

„Wow, das klingt aber gut“, dachte ich im ersten Moment. Zugegeben, das denke ich immernoch, wäre da nicht ein kleiner Haken bei der ganzen Sache:

Der Haken!
Obwohl mir von der Schule ein Exemplar in gedruckter Version zur Verfügung gestellt wird, muss ich für mein digitales Buch Geld zahlen. Das war mir zwar vorher auch schon klar, doch einen Preis von rund 25€ sah ich dann doch nicht ein zu zahlen. Richtig, natürlich nur für ein Buch! Hochgerechnet auf meine 5-9 Bücher macht das dann ca. 125-225€ und das pro Halbjahr.

Was ist eigentlich da los?
Man kann keinem Schüler und keinen Eltern zumuten, solch enorme Summen rein für die Bücher auszugeben, die sie in der Regel doch gar nichts kosten! Das ist außerdem kaum billiger, als ein gedrucktes Buch; es entstehen allerdings keine Druck- oder Materialkosten. Natürlich gibt es andere Faktoren, doch rechtfertigen diese einen stolzen Preis, wie diesen?

Katholische Religion: "Vernünftig Glauben". Preis: stolze 25€. Auffällig ist außerdem, dass die Lehrerversion preisgünstiger ist, als die Schülerversion.
Katholische Religion: „Vernünftig Glauben“. Preis: stolze 25€. Auffällig ist außerdem, dass die Lehrerversion preisgünstiger ist, als die Schülerversion.

Andere Alternativen?
Das sieht wohl eher schlecht aus. Die Verlage bieten noch nicht mal alle Bücher als „E-Book“ an und wenn kooperieren sie, indem sie die Bücher für das „Digitale Schulbücher“ Projekt ver-kaufen. Ich kann mir aber auch schlecht vorstellen, für jedes Buch eine PDF-Datei dabei zu haben. Das würde die Vervielfältigung auch im Allgemeinen sehr voranschreiten und wäre eher rückschrittlich und vermutlich illegal.

Und? War’s das jetzt?
Nein! Ich werde mich nach den Ferien in meiner Schule bei den verantwortlichen Lehrern informieren, ob die Schule möglicherweise bereits Lizenzen für die gekauften Bücher besitzt. Vielleicht findet sich eine andere Lösung, denn interessant ist diese Nutzung auf jeden Fall!
Zu gerne würde ich nur noch einen Stoffbeutel mit in die Schule nehmen, einen neuen Rucksack (einen kleineren) muss darf ich mir bis zum Schulbeginn sowieso kaufen 🙂

Liebe Grüße
dMUEL – Dominik

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9 Gedanken zu “Über das digitale Schulbuch und dessen Anschaffung oder auch: „Was ist los mit euch? Bin ich Krösus?“

  1. Lieber Dominik,

    Dein Blogbeitrag spricht mir aus dem Herzen. Ich beschäftige mich in der Forschung mit digitalen Lehrmaterialien. Im Rahmen einer Initiativer der sächsischen Landesregierung hatte ich vorgeschlagen, offene Lehrressourcen zu fördern statt sich weiter an Verlage zu binden. Das ganze kann man hier nachlesen: http://anjalorenz.wordpress.com/2012/12/16/sachsen-und-oer-nette-idee-aber-die-politik-ist-wohl-noch-nicht-so-weit/ Kurz zusammengefasst: Man traut den Verlagen mehr als den Lehrern, die man selbst ausbildet und bezahlt lieber weiter als nachhaltige weil kostenfreie Schulbücher zu fördern.

    Es gibt bereits einige (wenige) Projekte, allen Voran der Schulbuch-o-mat, bei dem ein Biologieschulbuch erstellt wurde: http://www.schulbuch-o-mat.de/ Auch mit dem L3T-Lehrbuch haben wir im Rahmen der Hochschule versucht, eine kostenfreie alternative zu schaffen: http://l3t.eu/ (eher im Hochschulkontext).

    Aber das sind Leuchturmprojekte, die kaum finanziert werden – noch! Denn mit steigenden Forderungen von Schülern wie Dir kommen Schulen und letztendlich Ministerien vielleicht doch nicht mehr lange drum herum. Danke dafür!

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    1. Hallo Anja,

      es freut mich zu erfahren, dass ich den (oder einen) Knackpunkt getroffen habe. 🙂

      Was ich nicht verstehe ist, warum die Verlage ihren Büchern nicht einfach Lizenzen hinzufügen? Demnach würden keine oder kaum Mehrkosten entstehen und jeder wäre glücklich: Die Verlagen würden Umsatz machen und die Lehrer/Schüler/Schulen hätten eine gebundene und digitale Ausgabe.

      Liebe Grüße
      Dominik

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      1. Die Verlage müssen selbst erst einmal schauen, was das heißt, wenn man Lizenzen für digitale Versionen dazu gibt.

        Ein PDF o.ä. einfach dazu geben könnte ja dazu führen, dass dieses nur kopiert wird und statt Klassensätzen verkauft man dann nur noch ein Buch pro Schule oder Land. Bei einer der letzten Verhandlungen zwischen Kultusministerien und Verlagen für die Verlängerung der Kopierabgabe wollten die Verlage gern ein Programm verpflichtend auf Schulrechnern installieren lassen, das dann als „Schulbuchtrojaner“ in die Presse kam: es sollte nach unerlaubten Digitalisaten suchen.

        Mit ePub und DRM könnte man das regeln, ist aber sich nicht ohne. In den USA wurde mal versehentlich eine Berechtigung gelöscht, dem Schüler gingen Markierungen und Notizen verloren, was diesem dann eine hohe Ausgleichszahlung bescherte.

        Man könnte auch schon tolle Erweiterungen in digitale (Schul-)Bücher einbauen: Links, Videos, Animationen, kleine Selbsttests… aber solange es noch kein richtiges Geschäftsmodell gibt, müssen wir noch warten (auch bei Romane

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      2. …Romanen gibt es ja noch keine standardmäßige digitale Kopie mit). Aber jemand, der weniger auf Geschäftsmodelle achten muss, wäre der Staat. Was, wenn dieser die Schulbucherstellung finanziert (gern auch über Verlage)?

        P.S.: per App aus dem Bett kommentieren kann zu vorzeitigem Betätigen des Senden-Buttons führen m(

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      3. Ja, PDFs wären alles andere, als fortschrittlich.
        Ich kann dir nur zustimmen, es gibt da mit Sicherheit viele Anhänger der verschiedensten Mittel und Wege. Eine einheitliche und erschwingliche Lösung wäre da jedenfalls eine gute Sache!

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  2. Hallo Samuel,
    der Lehrerband hat oft nicht dieselben Inhalte, wie der Schülerband. Manchmal enthält er in erster Linie Hinweise dazu, wie die Lehrer die Inhalte erarbeiten können und zusätzlich die Musterlösungen zu den Aufgaben im Schülerbuch. Das kann zu einem wesentlich geringeren Umfang führen und darum auch einen niedrigeren Preis begründen. Das nur zur Erklärung um eine der Nebenfragen zu beantworten. Deine große Frage bleibt aber tatsächlich unbeantwortet.

    Viele Grüße
    Tobias

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  3. Auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist, möchte ich mich gerne als Verlagsmitarbeiterin noch zu diesem Thema äußern.
    Wir bieten bislang erst einen Teil unserer Schulbücher auch als digitales Schulbuch an, da wir dies nur umsetzen können, wenn wir zuvor von den Rechteinhabern von abgedruckten Texten und Bildern digitale Nutzungsrechte eingekauft haben. Nachträglich ist dies leider nicht immer möglich. Beim Erstellen von neuen Büchern achten wir jedoch darauf, nur solche Texte und Bilder zu verwenden, die wir auch für digitale Schulbücher nutzen können.
    Der Screenshot des katholischen Schulbuchs zeigt nicht das digitale Schulbuch (das es in diesem Fall leider aus den o.g. Gründen nicht gibt), sondern das Printbuch. Der Lehrerband enthält nicht die gleichen Inhalte wie das Schulbuch, sondern didaktische Hinweise und Lösungen.
    Preislich liegen die Jahreslizenz für ein digitales Schulbuch übrigens bei rund 1/3 des Printpreises.

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  4. Ich denke und hoffe, dass es in naher Zukunft so weit sein wird, dass alles digitalisiert wird. Der Fortschritt ist möglich und sollte dann auch nach und nach umgesetzt werden. Unsere Kinder wachsen sowieso mehr oder weniger „digital“ auf und der Umweltschutz lässt grüßen!

    Viele Grüße
    Achim

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